Ein Oberbegriff (Adjektiv) für eine Person, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.
Definition
Ein Oberbegriff (Adjektiv) für eine Person, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Erfordert keine Operation, keine Hormontherapie und keinen medizinischen Eingriff, um gültig zu sein.
- trans Mann: bei der Geburt weiblich zugewiesen; versteht sich als Mann
- trans Frau: bei der Geburt männlich zugewiesen; versteht sich als Frau
Helms gestaltete die Flagge nach einem Abendessen mit Michael Page (Gestalter der bisexuellen Flagge), der sie ermutigte: „Die Trans-Community könnte auch eine Flagge gebrauchen.“
Farbcodes: Transgender-Flagge
Streifen
HEX
RGB
CMYK
Pantone
Bedeutung
Hellblau (oben)
#5BCEFA
91,206,250
C:64 M:18 Y:0 K:2
PMS 2985 C
Traditionell mit als Jungen wahrgenommenen Babys verbundene Farbe
Rosa (oben)
#F5A9B8
245,169,184
C:0 M:31 Y:25 K:4
PMS 700 C
Traditionell mit als Mädchen wahrgenommenen Babys verbundene Farbe
Weiß (Mitte)
#FFFFFF
255,255,255
C:0 M:0 Y:0 K:0
n/a
Menschen in Transition, intergeschlechtliche Menschen oder Menschen mit undefiniertem Geschlecht
Rosa (unten)
#F5A9B8
245,169,184
C:0 M:31 Y:25 K:4
PMS 700 C
Traditionell mit als Mädchen wahrgenommenen Babys verbundene Farbe
Hellblau (unten)
#5BCEFA
91,206,250
C:64 M:18 Y:0 K:2
PMS 2985 C
Traditionell mit als Jungen wahrgenommenen Babys verbundene Farbe
Lateinisch trans- (hinüber, jenseits) + gender. Der deutsche Ausdruck „seelischer Transsexualismus“ stammt tatsächlich von Magnus Hirschfeld, der ihn 1923 verwendete; gemeint war damit allerdings etwas Weiteres als mit dem späteren englischen Begriff. Das englische Substantiv „transsexual“ geht dagegen nicht auf Hirschfeld zurück: Es wird David Oliver Cauldwell zugeschrieben, der es 1949 in „Psychopathia Transexualis“ (Sexology) für Menschen verwendete, die ihr körperliches Geschlecht verändert haben wollten. Harry Benjamins The Transsexual Phenomenon (1966) brachte das Wort in den allgemeinen medizinischen Sprachgebrauch. „Transgenderism“ von John F. Oliven geprägt (1965). „Transgender“ setzte sich in den 1990ern als bevorzugter Oberbegriff durch.
Geschichte
Geschlechtliche Vielfalt ist in jeder Kultur und über die gesamte überlieferte Geschichte hinweg dokumentiert
1919 - Hirschfeld gründet das Institut für Sexualwissenschaft in Berlin; wegweisende Forschung und geschlechtsbestätigende Versorgung
1952 - Christine Jorgensen wird die erste breit bekannte US-Amerikanerin, die öffentlich transitioniert - weltweit auf den Titelseiten
1969 - Stonewall-Aufstand - die trans Frauen of Color Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera gehören zu den Ersten, die sich Polizeirazzien widersetzen
1979 - Die WPATH veröffentlicht ihre ersten Standards of Care
1999 - Monica Helms gestaltet die Transgender-Pride-Flagge; erster Transgender Day of Remembrance
2019 - Die ICD-11 der WHO verschiebt „Geschlechtsinkongruenz“ aus dem Kapitel der psychischen Störungen
Vorname und Geschlechtseintrag ändern: die Rechtslage
Deutschland. Seit dem 1. November 2024 gilt das Selbstbestimmungsgesetz (SBGG). Es hat das Transsexuellengesetz von 1980 abgelöst. Geschlechtseintrag und Vornamen werden jetzt allein auf Antrag beim Standesamt geändert, durch eine persönliche Erklärung mit Eigenversicherung. Die beiden psychologischen Gutachten und das Gerichtsverfahren, die das alte Gesetz verlangte, sind ersatzlos entfallen. Als Eintrag möglich sind männlich, weiblich und divers, oder der Eintrag wird ersatzlos gestrichen.
Wichtig zur Frist: die Änderung muss drei Monate vorher beim Standesamt angemeldet werden. Die Erklärung selbst kann danach innerhalb von sechs Monaten abgegeben werden. Wer die Frist verstreichen lässt, meldet neu an.
Das SBGG enthält ein Offenbarungsverbot: frühere Geschlechtseinträge und frühere Vornamen dürfen ohne Zustimmung der betroffenen Person nicht offenbart oder ausgeforscht werden. Ein Verstoß ist bußgeldbewehrt, wenn die betroffene Person dadurch absichtlich geschädigt wurde.
Österreich. Der Verfassungsgerichtshof hat 2018 entschieden, dass ein dritter Geschlechtseintrag möglich sein muss. Eingetragen werden können inter, divers oder offen, oder es bleibt kein Eintrag. Anders als in Deutschland gilt das nur für intergeschlechtliche Personen, und für den Wechsel von männlich oder weiblich zu einem dieser Einträge wird ein ergänzendes Fachgutachten verlangt. Für nicht-binäre Personen ohne Intergeschlechtlichkeit steht dieser Weg derzeit nicht offen.
Schweiz. Seit dem 1. Januar 2022 kann der Geschlechtseintrag nach Art. 30b ZGB durch eine einfache Erklärung beim Zivilstandsamt geändert werden. Medizinische Eingriffe, Diagnosen oder Bestätigungen werden ausdrücklich nicht verlangt. Möglich sind allerdings nur männlich und weiblich; ein dritter Eintrag ist nicht vorgesehen. Das Bundesamt für Justiz hält ausdrücklich fest, dass andere Bezeichnungen wie divers nicht eingetragen werden können. Wer unter 16 ist oder unter umfassender Beistandschaft steht, braucht die Zustimmung der gesetzlichen Vertretung.
Stand: August 2026. Rechtslage und Verfahren ändern sich. Für den konkreten Ablauf frag bei deinem Standesamt, Zivilstandsamt oder einer Beratungsstelle nach.
Häufige Mythen
„Transgender zu sein ist eine psychische Krankheit.“ Die ICD-11 der WHO (2019) ordnet Geschlechtsinkongruenz der sexuellen Gesundheit zu, nicht den psychischen Störungen.
„Transgender-Identität ist ein Trend.“ Trans Menschen existieren in jeder dokumentierten Kultur über die gesamte überlieferte Geschichte hinweg.
„Transgender zu sein erfordert immer eine Operation.“ Die Identität einer trans Person ist gültig, unabhängig von einer medizinischen Transition.
„Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung sind dasselbe.“ Es sind völlig getrennte Dimensionen.
Lili Elbe (1882-1931) - Eine der ersten Personen mit geschlechtsbestätigender Operation
Christine Jorgensen (1926-1989) - Erste breit bekannte US-Amerikanerin, die öffentlich transitionierte (1952)
Marsha P. Johnson (1945-1992) - Zentrale Figur des Stonewall-Aufstands und Mitgründerin von STAR, gemeinsam mit Sylvia Rivera. Johnson nutzte die Worte, die ihr zu ihrer Zeit zur Verfügung standen, und beschrieb sich mal als schwulen Mann, mal als Dragqueen, als Queen und als Transvestit; auf ihr Geschlecht angesprochen sagte sie einmal „I think of myself as me“. Heute beanspruchen trans, Drag- und schwule Communitys sie gleichermaßen für sich, und Historiker:innen warnen davor, ein Leben von 1969 auf ein Label der 2020er festzuschreiben.
Sylvia Rivera (1951-2002) - Latina trans Frau; Stonewall; Mitgründerin von STAR; kämpfte für trans Teilhabe in der Schwulenbewegung
Leslie Feinberg (1949-2014) - Aktivist:in und Autor:in; Stone Butch Blues
Laverne Cox (1972-) - Erste trans Person auf dem Cover des Time Magazine (2014)
Janet Mock (1983-) - Autorin und Filmemacherin; Redefining Realness
Miss Major Griffin-Gracy (1946-2025) - Stonewall-Veteranin und Organisatorin; erste Geschäftsführerin des TGI Justice Project, das Alexander L. Lee 2004 gründete; diese Position hatte sie bis zu ihrem Ruhestand 2015 inne
Monica Helms (1951-) - Gestaltete die Transgender-Pride-Flagge